Fragen zur Unternehmensentwicklung - Vorstandsinterview

Wir möchten an dieser Stelle interessierten Anlegern die Möglichkeit geben, einen Eindruck von den Ansichten der Mitglieder des Falkenstein-Vorsands zu erhalten. Das vollständige Interview wurde im Geschäftsbericht 2006 veröffentlicht.

 

Herr Schäfers, können Sie uns die Aufgabenverteilung innerhalb des FALKENSTEIN-Teams erläutern.

Mein Aufgabengebiet umfasst primär die „taktischen Anlagen“, also die konzentrierte Beobachtung, Auswertung und Umsetzung von Anlagemöglichkeiten im Bereich der Übernahme-, Abfindungs- und Squeeze-out-Kandidaten. Dabei begleite ich in Zusammenarbeit mit den Kollegen auch federführend unsere Stellungnahmen in etwaigen Spruch­verfahren und nehme, sofern wir involviert sind, auch an einzelnen Gerichtsterminen und entscheidungsrelevanten Hauptversam­mlungen teil. Weiterhin pflege ich einen fruchtbaren Gedankenaustausch mit den Mit­gliedern unseres Aufsichtsrates sowie verschiedenen Netzwerk­partnern. Letztlich läuft auch das gesamte Reporting und die interne Performance- und Risikoüberwachung bei mir zusammen, was automatisch dazu führt, dass ich im Vorstand primärer Ansprechpartner für unsere Wirtschaftsprüfer im Rahmen der Abschlussprüfung bin.

Herr Dr. Hein, von Ihnen stammt der Satz: „Ich werde primär für’s Zeitungslesen bezahlt.“

Das Zitat stammt, soweit ich weiß zwar von Warren Buffett, trifft aber auch bei mir durchaus zu. Ich lese tatsächlich täglich eine Vielzahl von Wirtschaftszeitungen, Zeitschriften, Geschäftsberichten und Fach- büchern. Da sind auch US-Titel wie „BARRON’s“ dabei oder eher Exotisches wie das „Swiss Equity Magazin“. Ich versuche grundsätzlich sehr selektiv vorzugehen und blende (wirtschafts-)politische Artikel oder volkswirtschaftliche Analysen weitgehend aus. So bleibt die Zeit, vom Schreibtisch aus pro Jahr einige hundert Unternehmen gemäß unseren Selektionskriterien einer ersten Vorauswahl zu unterziehen. Ich besuche zudem mehrmals im Jahr größere Investorenkonferenzen, nicht zuletzt, um daraus Trends in der industriellen Entwicklung ableiten zu können, auch wenn daraus im Regelfall nicht unmittelbar ein Investment folgt.

 

Herr Grimm, Sie sind im März 2006 zur FALKENSTEIN AG gestoßen und zusammen mit Herrn Kurzrock Vorstand der FALKENSTEIN Swiss AG.  Können Sie uns etwas zu Ihrem beruflichen Hintergrund und dem Konzept der FALKENSTEIN Swiss erzählen.

Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre arbeitete ich bis Anfang 2006 bei einer großen institutionellen Adresse in der Schweiz im Bereich des Kapitalanlagen-Reportings für verschiedene Assetklassen. Dagegen ist FALKENSTEIN im direkten Vergleich noch ein sehr kleiner Vogel, fast ein Kolibri. Aber auch kleine Vögel können fliegen – und sie kommen auch dorthin, wo große Vögel nicht mehr landen können... Das war und ist sicherlich der Reiz dieser Aufgabe.

Ich übernehme auch gerne einmal die Börsenspätschicht. Für die Firma hat dies den Vorteil, dass uns auch noch um 22.00 Uhr kaum eine wichtige Unternehmensmeldung entgeht und wir in Echtzeit (fast) rund um die Uhr auf Ballhöhe sind. Informationen sind bekanntlich das A und O in unserem Geschäft. Nicht selten passiert es dabei auch, dass etwaige Ideen auch zu ungewöhnlichen Zeiten noch auf ihre Investitionswürdigkeit diskutiert und analysiert werden können. Diese kurzen und flexiblen Entscheidungswege gefallen mir besonders.

Hier erkennen wir eine direkte Verbindung zu Ihrer neuen Aufgabe. Inwiefern qualifizieren Sie Ihre „eidgenössischen“ Erfahrungen hierfür? Können Sie etwas über das Konzept der FALKENSTEIN Swiss AG erzählen ?

Der Schlüssel zu einem unbekannten Markt ist es, die Gewohn­heiten eines Marktes und seiner Akteure zu verstehen. Dazu gehört es manchmal eben auch, neben der obligatorischen „Finanz und Wirtschaft“ oder der „Neuen Zürcher Zeitung“ auch so exotische Tageszeitungen wie den „Berner Oberländer“, den „Walliser Boten“ oder auch die „Südostschweiz“ zu lesen. Darüber hinaus ist es auch hilfreich, ab und an in der Schweiz Generalversammlungen zu besuchen und das Gespräch mit Einheimischen zu führen.

Während meiner Berufsjahre in unserem südlichen Nachbarland konnte ich den Schweizer Aktienmarkt mit seinen zahlreichen Facetten und Eigenheiten kennen- und vor allem verstehen lernen. Dabei werden auch einige Unterschiede zum eutschen Markt sichtbar. Diese Erfahrungen und dieses Wissen kann ich in die Gesellschaft einbringen.

Dabei ist das Konzept der FALKENSTEIN Swiss AG ist vom Ansatz her eng an das der Muttergesellschaft angelehnt - Sondersituationen wie Strukturmaß­nahmen, Übernahmen, Value-Investments - wobei unser Fokus – der Name lässt es vermuten - in der Schweiz liegt.  

Herr Kurzrock, Sie haben in Ihren vergleichbar jungen Jahren ja schon erhebliche Börsenerfahrungen auch weit außerhalb von Europa gesammelt. Was sind hier Ihre Anknüpfungspunkte um Anlageideen für das FALKENSTEIN-Portfolio zu finden ?

Das Stichwort ist auch hier: Sondersituationen. Natürlich fällt es ungleich schwerer, im Ausland auf Sondersituationen zu setzen. Dies ist schon allein dadurch bedingt, dass das rechtliche Detail­wissen im Zusammenhang mit Strukturmaßnahmen und Sonder­situationen, von dem FALKENSTEIN insbesondere in Deutsch­land profitiert, in den meisten ausländischen Märkten nicht ohne weiteres duplizierbar ist. Gleichwohl sind aber auch auf inter­nationaler Ebene immer wieder dieselben oder ähnliche Muster bei bestimmten Struktur- oder Finanzmaßnahmen einzelner Unter­nehmen erkennbar. Ziel ist deswegen, die über Jahre in Deutsch­land gesammelte Erfahrung auch international gewinnbringend einzusetzen.

Spezialsituationen außerhalb Deutschlands spielen naturgemäß im gesamten FALKENSTEIN-Portfolio keine tragende Rolle. Das Anlageuniversum der Gesellschaft ist aber auf diese Weise deutlich ausgeweitet, ohne dass die strengen Anlagekriterien aufgeweicht werden müssen. Damit ist nicht nur eine regionale Diversifizierung erreicht, sondern auch eine breitere Branchenstreuung, indem Sektoren im Anlagehorizont erscheinen, die in Deutschland in dieser Form nicht existieren.

Es soll hier aber keinesfalls der Eindruck von mehreren Einzel­kämpfern entstehen. Tatsächlich wird jede Anlageent­scheidung nur umgesetzt, wenn sie auch konsensfähig ist. Die individuellen Vorschläge der Team-Mitglieder werden hinterfragt und im Zweifelsfall auch abgelehnt. Per Saldo führt das zu mehr Gleich­mäßigkeit und Kontinuität sowohl bei der gewählten Strategie als auch in der Performance.

 

Herr Schäfers, die FALKENSTEIN Nebenwerte AG existiert nun ja seit gut sechs Jahren  und das durchaus mit Erfolg. Sie gehören zu den Initiatoren bzw. Gründungsaktionären der Gesellschaft. Inwieweit sind Ihre ursprünglichen Erwartungen erfüllt worden und wie schätzen Sie die Zukunftsaussichten ein ?

Das ist eine zweifellos interessante, wenn auch weitgefasste Frage, - vielleicht kann mein Kollege Dr. Hein den zweiten Teil beantworten. Schon vor der Gründung der FALKENSTEIN Nebenwerte AG hatte ich mich bereits seit vielen Jahren intensiv mit Aktien und hier insbesondere mit den sogenannten Microcaps, also niedrig kapitali­sierten Unternehmen, beschäftigt. Tatsächlich sind aber profunde Aktienkenntnisse noch lange nicht gleichbedeutend mit der Wahrscheinlichkeit, sein Wissen im Rahmen einer Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft auch erfolgreich umsetzen zu können. Nicht zuletzt bedarf es dafür einer bestimmten Mindestgröße und eine hinreichenden Zahl entsprechend versierter Kollegen. Angesichts der deutlichen Kursverluste an den Börsen, die Anfang 2001 schon eingetreten waren, und eines erst in Ansätzen vorhan­denen Geschäftsentwicklungsplans, war meine Erwartungshaltung an die weitere Geschäftsentwicklung keinesfalls euphorisch, aber durchaus ambitioniert. Die Jahre 2001 und 2002 stellten sich dann ja auch als extrem hart für Aktienanleger dar. Wir werten es als großen Erfolg, diese schwierigen Börsenjahre ohne Verlust überstanden zu haben. In der Summe sind meine durchaus ambitionierten Erwartungen aber deutlich übertroffen worden.

 

Herr Dr. Hein, wie beurteilen Sie die Aussichten der Gesellschaft ?

Ohne Zweifel sind die Voraussetzungen, in den nächsten fünf Jahren attraktive Renditen für unsere Aktionäre zu erzielen, deutlich günstiger, als sie es vor fünf Jahren waren. Wir haben erhebliches Know How aufgebaut und sehen uns in bestimmten Nischen des Aktienmarktes intellektuell gut aufgestellt. Wir verfügen in unserem Netzwerk über eine Reihe ausgewiesener Experten im Aktienmarkt und sind im Aufsichtsrat erstklassig besetzt. Noch immer haben wir auch mehr plausible Anlageideen als zur Verfügung stehendes Kapital, so dass es bildlich gesprochen weniger milchspendende Zitzen gibt, als Ferkel die daran saugen möchten. Das sorgt auf natürlichem Weg für starken Nachwuchs.

Wir haben darüber hinaus einen sehr stabilen Aktionärskreis, der unsere langfristige Anlageperspektive unterstützt. Essentiell sind aber insbesondere zwei weitere Faktoren: Wir haben nunmehr ein ausgewiesenes Eigenkapital von mehr als 20 Millionen Euro und beraten mittlerweile institutionelle  Investoren mit einem Anlagevolumen von annähernd 100 Millionen Euro. Daraus leitet sich weiteres Potential für wachsende Provisionserlöse ab. So gesehen sind übrigens auch meine Erwartungen bislang weit übertroffen worden.

Herr Schäfers, ihr Kollege erwähnte, dass Sie sich in bestimmten Nischen des Aktienmarkts gut aufgestellt sehen. Können Sie diese noch mal etwas näher beschreiben? Sehen Sie grundsätzlich die Gefahr, dass Ihnen diese Nische(n) zu eng wird bzw. Ihnen  diese andere streitig machen ?

Es stellt sich vorab die Frage, was man unter dem Begriff einer „Nische“ im Geschäftsleben eigentlich zu verstehen hat. Wenn Sie in einer Kreisstadt ein Geschäft für Wasserbetten betreiben, ist das eine Nische und wird es auch immer bleiben. Das ist im Finanzmarkt natürlich anders. Grundsätzlich stehen Ihnen ja heute auch als Privatanleger nahezu alle Anlagemöglichkeiten offen, die ein institutioneller Investor hat. Die Frage ist nur, ob sie sich bestimmte Engagements intellektuell und finanziell zutrauen, und ob diese letztlich für sie auch sinnvoll sind. Vor einer vergleichbaren Fragestellung stehen wir natürlich auch. Wo lassen sich unsere begrenzten finanziellen und personellen Ressourcen im Kapitalmarkt optimal einsetzen?

Daraus ergibt es sich schon fast zwangsläufig, dass wir uns mit Anlageideen beschäftigen, die aufgrund ihrer begrenzten Liquidität oder einer weniger transparenten Datenlage von anderen vernachlässigt werden. Das heißt aber keinesfalls, dass wir uns zwangsläufig nur in Nischen bewegen müssen.

Konkret – und vielleicht als größter gemeinsamer Nenner – befassen wir uns im deutschsprachigen Raum intensiv mit allen Unternehmen, bei denen wir unterstellen, dass in absehbarer Zeit eine wesentliche Veränder­ung in der Geschäftsentwicklung und/oder der Eigentümer­struktur zu einer Höherbewertung führen könnte. Dass wir zudem in Einzelfällen fühlbare Beträge bei erwarteten Strukturmaßnahmen von Aktiengesellschaften investieren, dürfen wir mittlerweile als bekannt voraussetzen. Weiterhin erkennen wir, dass unsere Expertise zunehmend bei Dritten für den Aufbau und die Strukturierung ihres Aktien­portfolios gefragt ist, so dass damit auch das Potential für zusätzliches „fee income“ gegeben ist.

 

Wechseln wir ein wenig den Blickwinkel. Trotz der guten Entwicklung wird gelegentlich bemängelt, dass FALKENSTEIN eine der ganz wenigen Gesellschaften sei, die nicht den Anteilsbesitz ihrer Vorstände veröffentlicht. Herr Dr. Hein, bitte.

Bekanntlich ist unsere Aktie nur im Freiverkehr gelistet, wo die einschlägigen WpHG-Veröffentlichungspflichten keine Anwendung finden. Insofern kann hier de jure keine Unterlassung festgestellt werden.

Ich bin allerdings der persönlichen Überzeugung, dass die Information, ob ein sogenannter „Insider“, (eigene) Aktien ge- oder verkauft hat, für die Beurteilung der Qualität eines Unternehmens weitgehend irrelevant ist. Bei großen Unternehmen sowieso, bei kleinen vielleicht etwas weniger.

In der Konsequenz hieße das doch, dass man sich in seinem Urteil über den Wert eines Unternehmens davon abhängig macht, wie ein Dritter den persönlicher Grenznutzen seiner eigenen Aktienanlage einschätzt. Haben Sie sich jemals gefragt, aus welchen „Insider-Motiven“ ihnen jemand sein Haus oder sein Ölgemälde verkauft? Vielleicht dürfen wir aber diejenigen, die glauben das Wissen um die präzise Höhe des Aktienbesitzes des Vorstands sei für die Beurteilung seiner Arbeit entscheidend, folgendes mitgeben: Vorstand und Aufsichtsrat haben ein langfristiges Interesse – wobei der relevante Zeitraum hierbei nicht Monate sondern Jahre sind – an der erfolgreichen Entwicklung der FALKENSTEIN Nebenwerte AG. Dieses langfristige Interesse ist durch eine wesentliche Beteiligung der Organe an der Gesellschaft unterlegt. Konsequenterweise wird jede unternehmerische Entscheidung daran gemessen, ob sie das Potential hat, den Unternehmenswert der Gesellschaft zu steigern.

 

Nun wird aber wiederholt auch darauf hingewiesen, dass Sie im Gegensatz zu den meisten anderen Beteiligungsgesellschaften keinen Net Asset Value veröffentlichen.

Dr. Hein: Nun, wir sehen uns nicht primär als eine der angesprochenen „Beteiligungsgesellschaften“, sondern wir decken mittlerweile auch die Strukturierung von Aktienportfolios in Zusammenarbeit mit Finanzdienstleistern ab. Wir versuchen somit auf verschiedenen Feldern des Kapitalmarkts langfristig eine überdurchschnittliche Rendite bei vergleichsweise geringem Risiko zu erzielen. Die Aktionäre, die wir als unsere Partner sehen, sollen entscheiden, ob sie mit dem was unter dem Strich, also einschließlich Bezugsrechten und Dividenden, herauskommt, zufrieden sind.

Die Diskussion, ob dabei der vermeintliche Net Asset Value -sprich NAV nun stichtagsbezogen etwas höher oder niedriger ausfällt, ist für unsere Geschäftsmodell nicht zielführend. Der NAV ist eine statische Größe, bei dem die Aktiva einer Gesellschaft zu Marktpreisen bewertet werden. Verschiedene Positionen in unserer Bilanz haben aber keine aktuellen Marktpreise. Dazu gehören u.a. Aktien ohne Börsennotiz oder Spruchrechte. Besonders gravierend ist, dass auch Provisionserlöse nicht in einen NAV erfasst werden können.

Auch gebe ich zu Bedenken, dass es sehr erfolgreiche Gesellschaften an der Börse gibt, die zu einem Mehrfachen ihres ausgewiesenen Eigenkapitals - oder auch NAV - bewertet werden. Trotzdem halte ich diese Bewertung keinesfalls für übertrieben, wenn mit dem Eigenkapital konstant sehr erfolgreich gearbeitet wird. Dies sollte auch der dominante Maßstab für die Unternehmensbewertung sein. Wäre die FALKENSTEIN Nebenwerte AG ein reines Sondervermögen ohne sonstige aktive Tätigkeit und würde ihr Geld ausschließlich im Handel mit Blue Chips anlegen, wäre ein Ausweis des Net Asset Value möglich und vielleicht sogar sinnvoll.